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transforming / hadas tapouchi


Gotthold Wilhelm Theodor Starke, 1943 Gesandtschaftsrat und Leiter des Referats Osteuropa in der Presse- und Nachrichtenabteilung des Ausw├Ąrtigen Amts in Berlin, beschreibt in seinen "Aufzeichnungen ├╝ber die Lage der Ostarbeiter in Deutschland" eindr├╝cklich die Situation: "3. Das Problem der Minderj├Ąhrigen. Es entzieht sich meiner Kenntnis, aus welchen Gr├╝nden die deutschen Stellen eine grosse Anzahl Kinder aus den besetzten Ostgebieten nach Deutschland "importierten". Es steht jedoch fest, da├č sich zahlreiche Kinder im Alter von 4 - 15 Jahren in den Lagern befinden, und da├č sie in Deutschland weder Eltern noch sonstige Verwandte besitzen. Da├č diese Kinder f├╝r deutsche Kriegsindustrie wertlos sind, ist offensichtlich. Dennoch sind spezielle Kinderlager organisiert worden, in denen man aus verhungerten Jungen und M├Ądchen, die weder das zaristische noch das sowjetische Russland kennen, mit gro├čem "Erziehungstalent" regelrechte Verbrecher macht. Der gr├Â├čte Teil der Kinder ist erkrankt und erh├Ąlt als einzige Aufbauern├Ąhrung dieselbe Kohlr├╝benwassersuppe wie die ├Ąlteren Ostarbeiter. 4. Frauenlager - Gemischte Lager. Nicht weniger beachtenswert sind die Frauenlager, in denen die Ostarbeiterinnen untergebracht sind. Trotz ihres allgemein schlechten gesundheitlichen Zustands haben sie oft schwere und schwerste Arbeiten zu verrichten. Um ihr Leben einigerma├čen zu verbessern, treiben dieselben mit den deutschen Lagerf├╝hrern und sonstigen Vorgesetzten Unzucht. Es besteht daher in diesen Lagern oft ein unbeschreiblicher Zustand. Auch in den gemischten Lagern ist es nicht anders. Der einzige Unterschied ist, da├č hier die Arbeiter und Arbeiterinnen sowie Lagerpolizisten und Lagerf├╝hrer diese Unzucht teilweise in den Gemeinschaftsr├Ąumen treiben. Aus diesen Verh├Ąltnissen entstehen Ungerechtigkeiten, bei denen z.B. kerngesunde Arbeiterinnen in der K├╝che ein verh├Ąltnism├Ą├čig anst├Ąndiges Leben geniessen, und erkrankte, schwache, tuberkul├Âse Frauen schwere Balken schleppen m├╝ssen. Wenn man schlie├člich die Tatsache hervorhebt, da├č der "Beruf" des Zuh├Ąlters sich in den Lagern sehr "gut" entwickelt hat, und da├č Frauen auch bei den deutschen Vorgesetzten und den deutschen und ausl├Ąndischen Arbeitern einen angenehmen "Nebenverdienst" haben, um auf dem "schwarzen Markt" Brot und sonstige Lebensmittel zu kaufen, so hebt man damit nur einen Teil des Vorhanges, hinter dem sich t├Ąglich unerh├Ârte Zust├Ąnde abspielen... 8. Behandlung der Ostarbeiter seitens der Lagerf├╝hrer. Seit Anfang des deutsch-sowjetischen Krieges ist der Begriff "Untermensch" an den Russen und an den Ukrainer geheftet worden. Dadurch, da├č die deutsche Lagerf├╝hrung und auch die Betriebsf├╝hrung keiner einheitlichen, sondern einer gro├čen Anzahl von Beh├Ârden unterstellt ist, erkl├Ąrt sich der Zustand, da├č die aus dem Osten "importierten Sumpfmenschen" auch als solche behandelt werden. So werden z.B. Frauen mit benagelten Brettern ins Gesicht geschlagen. Schwangere Frauen werden in den Magen mit F├╝├čen getreten. M├Ąnner und Frauen werden wegen des leichtesten Vergehens nach Abnahme der Oberkleidung im Winter in betonierte kalte Kerker eingesperrt und ohne Essen gelassen. Aus "hygienischen" R├╝cksichten werden Ostarbeiter im Winter auf dem Hof des Lagers aus Schl├Ąuchen mit kaltem Wasser begossen. Hungrige Ostarbeiter werden wegen einiger gestohlener Kartoffeln vor den versammelten Lagerinsassen auf die unmenschlichste Art hingerichtet. Trotzdem man in den Lagern eine ans Sadistische grenzende Grausamkeit seitens der Lagerf├╝hrung zu verzeichnen hat, findet man auch Lagerf├╝hrer und Lagerpolizisten, die sich durch ihre menschliche Behandlung der Ostarbeiter bei ihnen sehr beliebt machen. Solche Lagerf├╝hrer bleiben aber nie lange in einem Lager." In: Zwangsarbeit in Berlin. Archivrecherchen, Nachweissuche und Entsch├Ądigung, Berlin Metropol 2008, S.218-220.

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